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Interview mit Jakob Bösch, dem neuen Aktuar unsres Vereins

1. Wie sind Sie auf den Verein „Interreligiöser Arbeitskreis im Kanton Thurgau" gestoßen?

Ich bin Rahel Voirol (Mitglied des Vereins) begegnet und sie hat mir vom Arbeitskreis erzählt – und das hat mich sogleich interessiert.

2. Was gefällt Ihnen am Verein?

Er ist noch ganz jung, sozusagen jugendlich frisch. Viele Ideen haben Platz, und auch neue Personen (wie ich eine bin) werden mit offenen Armen willkommen geheissen.

3. Hat Ihr Engagement etwas mit Ihrer Lebensgeschichte zu tun?

Ja, ich war viele Jahre im Kanton St.Gallen in der Kirche berufstätig und habe mit erlebt und teilweise mit gestalten können, wie interreligiöser Dialog und Zusammenarbeit mit Geduld, Phantasie und kreativen Ideen möglich sind.

Noch viel weiter zurück: Meine Mutter pflegte eine herzliche Beziehung mit einer jüdischen Familie, ich erlebte deshalb schon sehr früh eine fast problemlose interreligiöse Freundschaft.

4. Welche Ereignisse in Ihrem Leben haben Sie geprägt?

Neben der in Frage 3 erwähnten Beziehung gab es auch einzelne Kontakte mit Menschen aus Afrika; wir hörten von Albert Schweitzer und damit war für mich schon früh klar, dass mit unterschiedlichsten Menschen respektvoller Dialog und vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich sind.

Da ich in den 68-er Jahren studierte, hat dieser Impuls für mehr Gerechtigkeit, weniger Autorität, mehr Dialog und auch eine gewissen Lust am Aufbruch in meinem Leben Spuren gelegt.

5. Was sind Ihre Ziele für den Interreligiösen Arbeitskreis im Kanton Thurgau? Was wollen Sie uns mitgeben?

Mein Wunsch ist, dass das noch junge Pflänzchen rasch wächst, stark wird und zu einem selbstverständlichen Element in möglichst allen Religionsgemeinschaften und auch in der Gesellschaft wird.

Ob es so weit kommt wie im Kanton St.Gallen, wo offizielle Repräsentantinnen und Repräsentanten von Staat und Religionsgemeinschaften eine gemeinsame „Erklärung für den interreliösen Dialog und das Zusammenleben der Religionen" unterzeichnet haben, lasse ich offen; aber warum sollte das im Thurgau nicht auch möglich sein?

6. Angeregt durch einen Vortrag Ihres Vorgängers als Aktuar unsres Vereins möchte ich Ihnen zuletzt noch die Frage stellen: Was ist an Religion gut? Was ist eine „gute" Religion?

Sie erinnert den Menschen an seine Grenzen und betont, wie wichtig das Vertrauen ist zu Einem, der über all diesen Grenzen ist. Und sie ermutigt, sich für Gerechtigkeit und Frieden und die Erhaltung der Schöpfung zu engagieren. Und das auf der Grundlage, dass alle Menschen die gleiche Würde haben, die es zu respektieren und zu schützen gilt – und dass die Welt nicht unser Besitz ist, sondern eine uns anvertraute „Leihgabe", für die wir grosse Verantwortung tragen.

Herzlichen Dank, Herr Pfarrer Bösch! Alles Gute!

Christine Demel