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Angesichts der eskalierenden Gewalt in Israel und Palästina setzen wir uns ein für den Aufbau von Brücken zum besseren Verständnis zwischen jüdischen, muslimischen und christlichen Menschen im Thurgau. Statt sich auf eine Seite der beiden Kriegsparteien zu schlagen, versuchen wir, die Vielfalt von Perspektiven und Erfahrungen anzuerkennen und hierzulande Räume für einen konstruktiven Dialog zu schaffen.

Auf unseren Aufruf zu Versöhnung und Gebet angesichts der Eskalation der aktuellen Gewalt in Israel und Palästina meldeten sich Mitglieder und Freunde unseres Arbeitskreises und schlugen weitere Gebete vor. Wir veröffentlichen hier eine Auswahl von Friedensgebeten. 

Wo wir als Menschen an Grenzen unseres Handelns kommen, laden Friedensgebete dazu ein, die grausame Realität nicht einfach zu verdrängen. Sie nötigen auch nicht, sich auf die Seite einer Kriegspartei zu schlagen. Gebete laden ein, die verzweifelte Situation mit den Augen Gottes zu sehen. Dieser Perspektivenwechsel kann das Gefühl der Lähmung lockern. 

In unserem ersten Gebet schlugen wir uns auf die Seite der Opfer. Die Eskalation der Gewalt versetzt israelische und palästinensische Familien in Trauer, Schmerz, Angst und Panik.  

 


Gebet für die Menschen in Israel und Palästina

Pia Baumann

 

Gott, wir sehen die Bilder aus Israel und Palästina.

Wir sehen unbeschreibliche Gewalt.

Wir sehen Menschen, die um ihr Leben rennen. 

Die sich verstecken. Und doch keinen Schutz finden.

Die Bilder über den terroristischen Angriff der Hamas und

die Bombardements der Israeli

machen uns sprachlos. Hilflos.

Nichts, was wir tun oder sagen, macht das Grauen ungeschehen.

Unsere Ohnmacht bringen wir vor dich. Stille

Wir bitten dich, Gott,

Für die Menschen in Israel und Palästina.

Für die Verschleppten. Die Verletzten. Die Trauernden.

Für die, die nicht wissen, was mit ihren Liebsten ist.

Die es vielleicht nie wissen werden.

Nimm dich ihrer an.

Wir bitten dich, Gott, für alle, die versuchen zu helfen.

Für alle, die diesen ewigen Kreislauf der Gewalt beenden wollen.

Nimm dich ihrer an.

Wir bitten dich Gott, für alle Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden.

In Israel, Palästina, in der Ukraine, im Kosovo, auf der ganzen Welt.

Schenke ihnen Zukunft und Hoffnung.

Denn Du, Gott, hast Gedanken des Friedens und nicht des Unheils. Erbarme dich.

 

 

Gebet von Rabbi Natan aus Breslau

 

Am 25. Oktober zum Abschluss unseres Besuches in der Synagoge von Konstanz rezitierte Rabbi Radbil das folgende Gebet von Rabbi Natan aus Breslau. Das orthodoxe Rabbinat Deutschlands publizierte es zusammen mit weiteren Friedensgebeten wie den biblischen Psalmen 20 und 130 auf seiner Webseite.

 

Möge es Dein Wille sein, 
Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, 
dass Du Kriege und Blutvergießen von der Welt nimmst und 
großen, wunderbaren Frieden über die Welt bringst. 
„Möge kein Volk gegen ein anderes das Schwert erheben, 
noch Krieg weiterhin lernen“ (Jeschaja 2, 4), 
nur mögen alle Bewohner der Erde die Wahrheit erkennen 
und wissen, dass wir nicht auf diese Welt kamen, 
um zu streiten und zu kriegen, 
und nicht um Hass, Neid, Ärger und Blutvergießen willen, 
Gott behüte, 
nur sind wir hier, um Dich zu erkennen und anzuerkennen, ewig Gesegneter. 
Möge der Vers in Erfüllung gehen: 
„Und Ich bringe Frieden über die Erde, 
auf dass ihr euch schlafenlegt und euch keiner aufschreckt, 
und schaffe wilde Tiere weg aus dem Land, 
und kein Schwert gehe durch euer Land.“ (3. Buch Moses 26, 6)

 

 

Ein islamisches Friedensgebet

Rehan Neziri, Imam der albanischen Moschee in Kreuzlingen, steuerte das folgende Gebet bei.

 

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alles Lob gehört Allah, dem Herrn der Welten, 

dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, 

dem Herrscher am Tag des Gerichts. 

Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. 

Leite uns den geraden Weg, den Weg derjenigen, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht derjenigen, die Deinen Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden! (Koran, 1:1-7) 

O Gott, Lob sei Dir! 

Du bist der Hüter der Himmel und der Erde 

Du bist das Licht der Himmel und der Erde 

Du bist der König der Himmel und der Erde 

Du bist die Wahrheit. Wahr ist Dein Versprechen, wahr ist die Begegnung mit Dir, wahr ist Dein Wort.

O Gott, bringe in unsere Herzen Licht, in unsere Ohren Licht, in unsere Augen Licht, in unsere Zungen Licht und in unsere Seelen Licht! 

O Gott, schenke uns Deine Liebe und die Liebe derer, die Dich lieben und die Liebe dessen, was uns näher zu Deiner Liebe bringt! 

O Gott, lass Deinen Frieden und Dein Heil all Deine Diener erreichen! 

O Gott, Du bist der Friede! Von Dir kommt der Friede. Gib, dass wir im Frieden leben! 

Lieber Gott, 

Heute stehen wir vor Dir: Gemeinsam beklagen wir die Ungerechtigkeit und den Unfrieden auf der Welt. 

Um deine Kraft zum Frieden bitten wir, guter Allah: Dass wir die schrecklichen Folgen der Kriege nicht vergessen oder verschweigen. 

Hilf uns, Mut zu haben, Zivilcourage zu üben, der Ungerechtigkeit entgegen zu treten. Denn wir wissen: Den Frieden hast du vorgesehen als einen Urzustand in Deiner Schöpfung. 

Und wenn wir diesen haben oder erhalten wollen, dann müssen wir etwas dafür tun. Deshalb gib uns die Kraft, für den Frieden zu arbeiten, und zeige uns einen Weg zum Verstand und zu den Herzen der Menschen, damit der Krieg unmöglich und der Frieden wohl möglich wird. 

Ermögliche uns, unsere Nachkommen so zu erziehen, dass sie die Menschenrechte lieben und sie darin bestärken, alle Formen von Hass, Intoleranz und ethnischen Vorurteilen aus ihren Herzen zu beseitigen. 

Amin! 

 

 

Friedensgebet von Papst Franziskus

 

Am 27. Oktober richtete Papst Franziskus sein Gebet um Frieden zum Abschluss der Gebetsstunde «Pacem in terris» an die Mutter Maria. 

 

 

Anonymes Gebet für den Frieden (Franz von Assisi zugeschrieben)

Das folgende anonyme Gebet wird dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben. Die Betenden bitten Gott, an seinem Frieden mitwirken zu dürfen. Das Gebet ist im Geist der Bergpredigt verfasst und während des Ersten und Zweiten Weltkrieges oft verwendet worden.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

 


Während der Zeit der Kreuzzüge, als Glaubenswächter Mauern zogen, baute der Mystiker Franz von Assisi Brücken. Die Legende erzählt, dass Franz während des 5. Kreuzzugs den ägyptischen Sultan al-Malik al-Kamil in dessen Heerlager getroffen habe und die ungleichen Partner Freundschaft geschlossen hätten. Der Sultan mag in der Haltung des Poverello die Spiritualität eines Sufis entdeckt haben. Umgekehrt führte die Begegnung mit dem Islam Franziskus in eine geistige Weite, die ihn erkennen liess, dass der göttliche Geist auch in anderen Religionen wirkt. Damit vollzog der Mystiker aus Assisi bereits im Mittelalter einen Schritt, den die katholische Amtskirche erst 1965 in der Konzilserklärung «Nostra Aetate» nachholte. Schon damals entdeckte Franziskus die grosse Ehrfurcht, welche Muslime ihrem heiligen Buch, dem Koran, wie auch den heiligen Namen Gottes entgegenbringen. Zurück in Italien regte Franziskus seine Mitchristen an, diese Haltungen in ihrem Glauben zu übernehmen. Beeindruckt vom öffentlichen Gebetsaufruf zu Gottes Lobpreis im Islam, schlug er vor, es den Sarazenen gleichzutun. Daraus entwickelte sich schliesslich das Angelus-Läuten. Die prophetische Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan liess Assisi schliesslich zum Ort der interreligiösen Weltgebetstreffen für den Frieden werden. 1986 lud Papst Johannes Paul II. Religionsführer aus aller Welt erstmals dazu ein. 


Moderne Ikone aus dem Atelier der Klarissen von Jongny bei Vevey zeigt die Begegnung zwischen Franziskus und Sultan al-Malik al-Kamil. 

 

 

Versöhnungsgebet von Coventry

 

Bei den Angriffen der deutschen Luftwaffe vom 14./15. November 1940 auf die britische Stadt Coventry kamen 500 Menschen ums Leben. Statt die zivilen Opfer mit jenen der Bombardierungen von Dresden aufzurechnen, beten Menschen in England und Deutschland das Versöhnungsgebt von Coventry mit der Verpflichtung zur verwandelnden Versöhnung.

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3, 23)

Den Hass, der Nation von Nation trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse, Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist, Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet, Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen, Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge, Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht, Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott, Vater, vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, 
wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)

 

 

Together for Hope

 

In Liebe, die Wunden heilt, wir stehen zusammen.

In Großherzigkeit, die der Hoffnung Raum öffnet, wir stehen zusammen.

In Fürsorge, die eine Kultur des Friedens stiftet, wir stehen zusammen.

In Mitgefühl, das für alle das Beste sucht, wir stehen zusammen.

In gegenseitigem Respekt, der befähigt, mit Unterschiedlichkeit zu leben, wir stehen zusammen.

In Mitmenschlichkeit, die belastbare Beziehungen unter uns aufbaut, wir stehen zusammen.

Gemeinsam für die Hoffnung, wir stehen zusammen.

 

Quelle: Diese Gemeinschaft Together for hope ist die multireligiöse Schwesterorganisation der Nagelkreuzgemeinschaft.

 

 

Gebet aus den Bahá'í-Schriften für Kriegssituationen

 

Auf unseren Aufruf zu Versöhnung und Gebet schickte uns Mark Kilchmann das folgende Gebet:

O Gott, o Gott! Du siehst, wie schwarze Finsternis diese Lande umfängt, 
wie diese Lande brennen in der Zwietracht Flamme, 
wie mörderisch (...) des Krieges Feuer lodert. 
Blut wird vergossen, Leichen bedecken ringsum die Erde,
abgeschlagen liegen Häupter im Staub des Schlachtfelds.

O Herr! Erbarme Dich dieser Unwissenden, 
schaue auf sie mit dem Auge des Vergebens und Verzeihens. 
Lösche dieses Feuer, so dass die dichten Wolken sich verziehen, 
die den Himmel verdunkeln, 
dass die Sonne der Wirklichkeit leuchte mit den Strahlen der Versöhnung, 
das tiefe Dunkel sich teile und alle Lande vom strahlenden Lichte des Friedens erleuchtet werden.
O Herr! Zieh Du das Volk aus dem abgründigen Meer des Hasses und der Feindseligkeit, befreie es aus dieser undurchdringlichen Finsternis. Vereinige die Herzen, erleuchte die Augen mit dem Lichte des Friedens und der Versöhnung.
Errette sie aus den Tiefen des Krieges und des Blutvergießens, 
befreie sie aus des Irrtums Finsternis. 
Reiße den Schleier von ihren Augen und erleuchte ihre Herzen mit dem Lichte der Führung. 
Verfahre mit ihnen nach Deinem zarten Erbarmen und Mitleid, 
nicht nach Deinem gerechten Zorn, der den Mächtigen die Glieder zittern lässt.
O Herr! Krieg folgt auf Krieg. 
Not und Angst nehmen überhand, 
einst blühende Länder sind alle verheert.
O Herr! Die Herzen sind schwer, die Seelen voll Qual. 
Erbarme Dich dieser Armen, überlass sie nicht ihrer masslosen Gier.
O Herr! Sende durch Deine Lande demütige, ergebene Seelen, 
das Antlitz erleuchtet von den Strahlen der Führung, 
gelöst von der Welt, Deinen Namen preisend, Dein Lob kündend. 
Lass sie Deiner Heiligkeit Düfte unter den Menschen verbreiten.
O Herr! Stärke ihnen den Rücken, gürte ihre Lenden 
und entzücke ihre Herzen mit den mächtigsten Zeichen Deiner Liebe.
O Herr! Wahrlich, sie sind schwach, 
und Du bist der Gewaltige, der Mächtige. Ohnmächtig sind sie, Du aber bist der Helfer, der Gnadenvolle.
O Herr! Das Meer des Aufruhrs wogt, 
und diesen Sturm stillt allein Deine grenzenlose Gnade, die alle Lande umfängt.
O Herr! Wahrlich, die Menschen schmachten im Abgrund der Leidenschaft; 
nur Deine unendlichen Gnadengaben können sie daraus retten.
O Herr! Vertreibe die Finsternis dieser verderbten Begierden, 
erhelle die Herzen mit der Lampe Deiner Liebe, 
die bald alle Lande erleuchten wird. (...) 
Sei Du ihr Gefährte in der Einsamkeit, ihrer Sorgen Tilger und ihr Trost im Unglück. 
Sei Du ihrem Durst ein frischer Trunk, ihren Gebrechen eine Arznei, 
ein Balsam der verzehrenden Glut ihrer Herzen.
Wahrlich, Du bist der Freigebigste, der Herr überfließender Gnade, 
und wahrlich, Du bist der Mitleidvolle, der Gnadenreiche.

 

Abdu'l-Bahá