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Exkursion nach Endingen: Jüdische Geschichte, die nachwirkt

Das Aargauer Surbtal mit den beiden Dörfern Endingen und Lengnau zählt zu den wichtigsten Schauplätzen jüdischer Geschichte in der Schweiz. Eine Exkursion des Interreligiösen Arbeitskreises Thurgau führte am 17. Juni 2026 28 Teilnehmende an diese besonderen Orte.

Den Auftakt bildete der Besuch des jüdischen Friedhofs zwischen Endingen und Lengnau. Die dicht gesetzten, teilweise überwucherten Grabsteine und die stille Umgebung verleihen dem Ort eine eindrückliche Atmosphäre. Die jüdische Tradition der ewigen Grabesruhe macht den Friedhof zu einem Ort von besonderer Würde und Beständigkeit. Die Natur, die sich Raum nimmt, unterstreicht zugleich die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens.

In der Synagoge von Endingen vermittelte die lokale Führerin Erika Clarisse einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Judentums in der Schweiz. Über Jahrhunderte waren Endingen und Lengnau die einzigen Orte, an denen jüdische Menschen hierzulande dauerhaft leben durften. Die Gebäude vor Ort zeugen bis heute von dieser Vergangenheit und geben Einblick in religiöse Praxis und gemeinschaftliches Leben. Auch die Besichtigung der Mikwe, des rituellen Tauchbads, veranschaulichte Aspekte jüdischer Tradition und ganzheitlicher Hygiene.

Eine persönliche Note erhielt die Exkursion durch die Begegnung mit Leo Gideon, der in Weinfelden aufgewachsen ist. Mit einem verschmitzten Lächeln erzählte er Anekdoten darüber, wie er mit den zahlreichen religiösen Vorschriften des orthodoxen Judentums in seiner eigenen Frömmigkeit umgeht. Indem er deren Sinn respektiert und zugleich persönlich auslegt, gab er religiöser Tradition ein authentisches, heutiges Gesicht.

Die Exkursion verband historische Einblicke mit aktuellen Fragestellungen und regte dazu an, über das interreligiöse Zusammenleben im Thurgau nachzudenken.

Bericht und Fotos:

Matthias Loretan